Betrachtet man die Technologien der Schritt- oder Servomotoren genauer, stellt man sehr schnell fest, dass die Unterschiede die Gemeinsamkeiten überwiegen. Dennoch lohnt sich aus wirtschaftlicher aber auch aus technischer Sicht ein genauerer Vergleich der beiden Antriebstechnologien.
Schritt- und Servomotor: Technologien im Vergleich
Welche Motortechnologie eingesetzt wird, ist häufig von individuellen Einschätzungen oder
Vorlieben geprägt. Betrachtet man jedoch neben wirtschaftlichen Aspekten auch
technologische Eigenschaften, so kann dies zum Vorteil der jeweiligen Applikation genutzt
werden. Jede Technologie hat spezifische Eigenschaften und ist daher für unterschied-liche
Anwendungszwecke prädestiniert.
Betrachtet man nun die Technologien der Schritt- oder Servomotoren genauer, stellt man sehr
schnell fest, dass die Unterschiede die Gemeinsamkeiten überwiegen. Technologisch gesehen
handelt es sich bei beiden um Sonderbauformen von Synchronmaschinen. Dennoch lohnt sich
aus wirtschaftlicher aber auch aus technischer Sicht ein genauerer Vergleich der beiden
Antriebstechnologien.
Antriebs-Klassiker
Schrittmotoren sind bekannt als kostenoptimale, robuste Antriebe und werden in den
verschiedensten Maschinen und Geräten eingesetzt. Die Anwendungen reichen hier von der
einfachen Punkt-zu-Punkt-Positionierung im Bereich Handling und Automation, über
schnelle Kurzzeitbewegungen in der Textilbranche bis hin zu Präzisions-
Gleichlaufbewegungen bei der Druckvorlagenaufbereitung. Der Anwender schätzt
insbesondere den unkomplizierten Aufbau (in der Regel ohne Rückmeldeeinrichtung), den
wartungsfreien Betrieb und die einfache, schnelle Inbetriebnahme des Antriebs ohne
mühseliges Einstellen von Regelparametern, relativ unabhängig von der Belastung und den
trägen Massen. Betrachtet man die natürlichen Schrittmotoreigenschaften ergibt sich
nachfolgend aufgezeichnetes Bild: Im Stillstand wird der Stator des Schrittmotors mit einem
konstanten Strom- bzw. Flussvektor bestromt. Der Rotor stellt sich entsprechend den
Lastbedingungen ein. Im Gegensatz zum geregelten Servomotor müssen über die
Rückführung keine Positionsabweichungen ausgeregelt werden. Das Schrittmotorsystem regt
im Stillstand keine Frequenzen an, damit weisen einfachste Schrittmotorsysteme einen völlig
vibrationsfreien Stillstand auf. Dies kann bei Servomotoren nur mit sehr hochauflösenden
Gebersystemen erreicht werden.
Gleichlaufverhalten
Der Rotor des Schrittmotors wird mit einem konstant hohen Strom- bzw. Flussvektor
angetrieben und hat damit ein gleich bleibend günstiges Verhältnis zu den momentbildenden
Störgrößen Rastmoment, Offset- und Amplitudenfehler.
Ein vektorgeregelter Servomotor muss über die Rückführung vorhandene Fehler ausregeln.
Dies ist naturgemäß abhängig von der Auflösung des Positionsmesssystems und der Qualität
der Regelung. Bei niedrigen Frequenzen verursacht die Quantisierung der Position Störungen
im Gleichlaufverhalten. Jede Regelung hat eine obere Bandgrenze, ab der eine Kompensation
von Gleichlauffehlern nicht mehr möglich ist. Hohe Gleichlaufanforderungen können daher
mit einem Schrittmotorsystem mit geringem Aufwand abgedeckt werden.
Steifigkeit
Ein Schrittmotor hat eine, durch die Geometrie des Luftspalts vorgegebene, Abhängigkeit der
Positionsabweichung von der Last. Die Steifigkeit eines Schrittmotors kann durch
differenzieren aus dem statischen Drehmomentverlauf abgeleitet werden und ist unabhängig
von der Last. Bei einem Servomotor ist die Steifigkeit durch die Verstärkung des Regelkreises
bestimmt. Aufgrund dynamischer Begrenzungen kann in einem geregelten System keine
beliebig große Verstärkung eingestellt werden. In Systemen mit großer Totzeit oder
komplexen Vielmassenschwingern, wie zum Beispiel Linearachsen mit Zahnriemen, kann
häufig die Steifigkeit des Schrittmotors nicht erreicht werden.
Differenzierung
Erreichbare Drehzahlen und das Drehmomentverhalten gehören zu den wesentlichen
Unterscheidungsmerkmalen der beiden Antriebsvarianten. Die maximalen Drehzahlen von
Schrittmotoren reichen üblicherweise bis etwa 3600 min-1, wobei sich das Drehmoment über
die Drehzahl abbaut. Servomotoren hingegen erlauben eine Verstellung der Drehzahl in
einem großen Bereich mit konstanter Leistungsabgabe. Je nach konstruktivem Motoraufbau
werden heute Drehzahlen bis 14 000 min-1 realisiert.
Auf Grund dieser Konstellationen ist der Schrittmotor in Anwendungen mit kurzen Distanzen
und früher Drehmomentanforderung, nicht zuletzt wegen seiner geringeren Eigenträgheit, klar
im Vorteil. Für lange Hübe mit hohen Geschwindigkeiten und Massen bietet sich der
Servomotor durch seine hohen Drehmomente und Drehzahlen an. Durch entsprechende
Getriebevorschaltungen lassen sich diese Drehmomente in großer Bandbreite weiter erhöhen
und variieren.
Ein deutlicher Unterschied der beiden Antriebsvarianten liegt auch in der Auflösung der
Schritte pro 360°. Während die Schrittmotortechnologie bei etwa 40 000 Incremente an ihre
Grenzen stößt, erlauben Servomotoren Auflösungen bis 4 Mio. Schritte. Ein Vorteil, der in
Anwendungen mit allerhöchsten Anforderungen an die Positioniergenauigkeit zum Tragen
kommt. Um dies zu nutzen, ist auf Grund der hohen Frequenzen eine ausreichend
leistungsfähige Regelelektronik notwendig.
In der Handhabung jedoch hat der Schrittmotor eindeutig die Nase vorne. Er zeichnet sich vor
allem durch einfache Inbetriebnahmeeigenschaften aus. Vom Verdrahtungsaufwand bis hin
zur Motorabstimmung sind hier die Servos deutlich anspruchsvoller.
Haltemoment
Typisch für den Schrittmotor ist sein hohes Haltemoment, selbst wenn er spannungslos ist.
Beim Abschalten des Ständerstroms tritt wegen der Wirkung des Läufermagneten eine feste
Läuferstellung (Rastmoment) ein. Dies ist einer der Gründe, warum Schrittmotoren für
Handhabung, Pick and Place oder etwa Formatverstellungen, Zuführungen usw. ideal sind.
Mit hoher Dynamik, großer Drehmoment- und Drehzahlbandbreite sowie regelbarer
Positioniergenauigkeit erfüllen Servoantriebe die im Maschinenbau zunehmenden
Anforderungen, viel Masse mit hoher Geschwindigkeit bei großem Hub sicher und exakt zu
positionieren. Sie eignen sich daher besonders für Roboter oder Vorschubachsen in NCMaschinen.
Andere, durch schnelle Bewegungen gekennzeichnete und damit prädestinierte,
Einsatzgebiete finden sich etwa in Verpackungsmaschinen, der Laserbearbeitung oder der
Fördertechnik.
Auch ist die Schrittmotortechnik noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Sie bietet
immer noch Potenziale.